Die drei Schwestern

    Ulf Renner
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    Noch haben wir Hoffnung. Hoffnung, dass es nicht so schlimm kommt. Hoffnung, dass die Vernunft die Oberhand behält. Diese Hoffnung muss jedoch, nach allem was wir wissen, als kühn bezeichnet werden. Oder aber auch als blauäugig. Denn die Vernunft ist hierzulande ein scheues Reh. Sie versteckt sich lieber und zeigt sich immer seltener in der Öffentlichkeit. Dort begegnet man eher ihren häßlichen Schwestern: der Ignoranz und der Dummheit. In dieser Formulierung steckt aber auch schon der Lösungsansatz für das ganze Dilemma, nämlich „Begegnung“. Wenn wir uns nämlich fragen, wie wir Dummheit und Ignoranz begegnen wollen, ist schon mal geklärt, dass wir sie nicht ignorieren können. Es sei denn, wir schlagen uns auf ihre Seite, was vielleicht bequem wäre, aber das wollen wir nicht.

    Wie soll man also der Dummheit begegnen? Soll man sie bloßstellen oder lieber nicht? Soll man sie mit allen Mitteln bekämpfen oder sollte man versuchen, zu verstehen? Soll man auf sie eingehen oder sie entschieden von sich weisen? Wenn man beobachtet, wie in Sachsen gerade die AfD erstarkt, kann man Antworten auf diese Fragen finden. Die AfD und ihre Menschenfischer sind nämlich keineswegs dumm. Aber sie sind gefährlich, weil sie die demokratische Grundordnung bekämpfen und es verstehen, Dummheit und Ignoranz vor ihren Karren zu spannen.

    Dieses Feld sollten wir ihnen nicht überlassen. Wir müssen viel mehr von ihnen lernen, wie man die Menschen gewinnen kann. Was machen sie eigentlich, wenn sie auf den hiesigen Marktplätzen ihren blauen Pavillon aufstellen? Sie hören zu. Sie nehmen ernst. Und sie verstehen offenbar, was die Leute umtreibt. Das können wir auch. Vielleicht nicht auf den Marktplätzen, aber dort, wo uns eben die häßlichen Schwestern der Vernunft begegnen: Auf der Arbeit, in Schule oder Kindergarten und vielleicht auch in der Familie. Sie müssen nämlich nicht die Kärrnerarbeit für Zwietracht, Haß und Gewalt machen. Sie können einfach wieder zu ihrer schönen Schwester kommen; zur Vernunft. Und dann gibt es auch wieder einen guten Grund zur Hoffnung. 

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